Der Haselünner Wacholderhain

Schottische Hochlandrinder beweiden die Haselünner Kuhweide.

Sprung zurück ins Emsland. Der Haselünner Wacholderhain ist einer größten seiner Art in Mitteleuropa. Hunderte der bis zu 150 Jahre alten stechenden Sträucher und kleine Bäume stehen auf 35 Hektar Fläche. Die Idylle ist beinahe ebenso bekannt wie die in der Stadt ansässigen Kornbrennereien.

 

Auch Wacholderhaine entstehen auf ähnliche Art und Weise wie Hudewälder: Große und kleine Weidetiere fressen sich auf großen Flächen satt – mehr oder weniger jedenfalls, denn die Standorte dieser einstigen Allmendeweiden sind meistens eher nährstoffarm gewesen. Statt der Schlehe übernimmt der Wacholder (Juniperus communis) die Rolle des Weideunkrautes, also derjenigen Pflanze, die vom Vieh gemieden wird. Spitze Stacheln retten dem bis zu 2000 Jahre alt werdenden Wacholder die Haut, und er breitet sich aus. In Haselünne weiden heute Schottische Hochlandrinder und Tarpane, eine genügsame Pferderasse. Früher liefen die allgegenwärtigen Schwarzbunten Niederungsrinder auf den Flächen der Markengemeinde, die damals noch rund 90 Hektar groß waren und später durch den Bau eines Freizeitsees verkleinert wurden. Außerdem wurden neben den 40-70 Rindern auch bis zu 20 Pferde pro Saison aufgetrieben – in vielen Gegenden Deutschlands trottete das Vieh der Dorfbewohner so wie hier morgens gemeinsam auf die Weide und abends zurück in den jeweiligen Stall ihrer Besitzer.

 

Der Wacholder hat die Menschen immer begleitet und fasziniert. Schon bei den Römern war der Name Juniperus gebräuchlich. Er ist abgeleitet vom lateinischen juvenis (Jüngling/Mädchen) und parere (gebähren) – ein Hinweis auf die abtreibende Wirkung der Beerenzapfen. Die Bezeichnung Wacholder ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt und leitet sich vom althochdeutschen „wachal“ ab, was so viel wie wach, munter und frisch, aber auch wie hier „immergrün“ bedeuten kann. Im Deutschen gibt es insgesamt mindestens 150 unterschiedliche Namen, je nach Region und Nutzung.

 

Weltweit verbreitet

 

Dass der Wacholder in vielen Landstrichen selten geworden ist und ums Überleben kämpft, kann man angesichts der folgenden Fakten kaum glauben: Kein Nadelgehölz der Welt ist weiter verbreitet als der Wacholder, der in vielen verschiedenen Arten auf der Nordhalbkugel vorkommt. In Mitteleuropa wächst vor allem der Gemeine Wacholder. Allen ist gemein, dass sie als Baum oder als Strauch vorkommen können und zweihäusig sind: Es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Letztere bilden die Beerenzapfen, die im Volksmund zwar einfach als Beeren bezeichnet werden, aber aus dem Zusammenschluss mehrerer Schuppenblätter entstehen.

Der Wacholder kann maximal 15 Meter hoch werden und wächst extrem langsam, kann dafür aber auch im Winter zulegen und in Ausnahmefällen bis zu 2000 Jahre alt werden. Ansprüche an den Boden hat er kaum, er wächst fast überall. Üppig wird er allerdings vor allem auf mäßig sauren, relativ trockenen Sandböden – was ihm auch zu seiner Ausbreitung im Emsland verholfen hat.

Neben seiner Bedeutung als Lebensraum für Insekten und Vögel hat der Wacholder auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Vor allem die Beerenzapfen werden für Branntweine oder Fleischgerichte verwendet. Auch setzt man sie seit Jahrhunderten wegen der enthaltenen ätherischen Öle als Heilmittel ein. Spötter warnen deshalb, Wacholderschnäpse könnten bei zu starkem Zuspruch schnell vom Genuss- zum Arzneimittel werden. Immerhin: Wacholderbeeren wirken magenstärkend und blutreinigend.

Der Landkreis Grafschaft Bentheim hat vor einigen Jahren sein 125-jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass einen Grafschafter Kräuterwacholder entwickelt und auf den Markt gebracht. 

 

Ein weiteres Problem hat der Wacholder in einigen Hainen wie dem in Haselünne: er vermehrt sich nciht mehr. Warum das so ist, darüber streiten die Gelehrten. Möglicherweise ist die Landschaft nicht mehr offen und sandig genug, vielleicht hat er seine Regenerationskraft verloren oder Tausende von Kaninchen lassen dem Jungwuchs in einigen Gebieten keine Chance mehr.

Ganz sicher ist: der zunehmende Stickstoffeintrag aus der Luft hat viele Gebiete verändert, auch den Haselünner Wacholderhain. Hier hat sich der Anteil der Heidelandschaft dramatisch zurückentwickelt - zugunsten einer fast alles überwuchernden Brombeervegetation. Deswegen werden die Brombeerdickichte inzwischen geschnitten und sollen ab 2017 zusätzlich mit Ziegen und Schafen bekämpft werden.